Abtauchen in die 70er

Ein kleiner Blick auf die Tauchtechnik von damals
Trotz der - aus heuter Sicht - vielleicht einfachen Ausstattung war die Tauchsportgemeinschaft der 70er Jahre sehr enthusiastisch. Tauchen machte aus Fremden lebenslange Freunde, deren Liebe zur Unterwasserwelt und die Neugier auf das Unbekannte alle Grenzen überwand.
Wir werfen einen Blick auf die spannendsten Ausrüstungsteile dieser Zeit - und ihren Zweck.
Der

Der "Schiissideggl"

Mit dem typischen Erscheinungsbild beim Tauchen beginnen wir eine Zeitreise in die wilde Welt des Wassers. Die unverkennbare orangefarbene Rettungsweste, die um den Hals getragen wurde, war das ultimative Mode-Statement für Unterwasserenthusiasten. In der Schweiz war sie liebevoll als "Schiissideggl" bekannt - ja, richtig gehört, "Klodeckel".
Die Anhänger*innen des westenlosen Tauchens nannten sie auch "Rentnerlift" - ein treffender Name, denn Tauchen war damals für sie mehr eine Frage der Lunge und der Flossenbewegung als ausgeklügelter Technologie.
Fenzy war die unbestrittene Königin dieser orangefarbenen Welt. Ihre Rettungswesten hatten eine Kapazität von stolzen 17 Litern - genug, um selbst wagemutigste Taucher*innen über Wasser zu halten.
Und wie wurde dieses fabelhafte Accessoire aufgepumpt? Nun, mit einem Faltenschlauch-Inflator natürlich! Einfach den Mund aufmachen und pusten, bis die Weste prall gefüllt war und man aussah wie eine überdimensionale Orange im Ozean.
Für den Fall, dass das Pusten zu anstrengend oder die Luft knapp wurde, gab es immer noch die kleine Pressluftflasche mit einem Inhalt von 0,4 Litern.

Die Reserveschaltung

Die Reserveschaltung

In den 1970er Jahren waren Tauchflaschen üblicherweise mit einem Ventil mit Reserveschaltung ausgestattet, das eine Sicherheitsmaßnahme darstellen sollte. Ein federbelasteter Kolben schloss langsam das Ventil, wenn der Flaschendruck sank. Sobald Tauchende einen erhöhten Atemwiderstand bemerkten, signalisierte dies, dass nur noch 50 Bar Luft in der Flasche verblieben waren. Durch Betätigen des Reservehebels konnte der Tauchgang beendet werden.
Trotz der scheinbar cleveren Idee der Reserveschaltung waren diese Systeme nicht immer zuverlässig. Manchmal bemerkten Taucher*innen den erhöhten Atemwiderstand nicht, die Feder konnte ausleiern, der Kolben konnte sich in der offenen Position verklemmen oder das Ventil reagierte erst bei deutlich weniger als 50 bar. Zusätzlich konnte es vorkommen, dass nach dem Füllen der Flasche vergessen wurde, die Reserve wieder in die geschlossene Position zu bringen.
Finimeter, die heute zur genauen Überwachung des Flaschendrucks verwendet werden, waren zu dieser Zeit noch nicht weit verbreitet, da ältere Atemregler oft keine Anschlussmöglichkeit für einen Hochdruckschlauch besaßen.

Atemregler

Atemregler

In den 1970er Jahren war es noch üblich, mit nur einem Atemregler zu tauchen. Jedoch führten vermehrte Zwischenfälle mit vereisenden Automaten in kalten Gewässern allmählich zu einem Umdenken. Die Erkenntnis setzte sich durch, dass zwei getrennte Atemregler mit jeweils einer ersten und einer zweiten Stufe zusätzliche Sicherheit bieten konnten.
Die einstufigen Atemregler mit den charakteristischen zwei Faltenschläuchen, wie zum Beispiel der Mistral von La Spirotechnique (heute Aqua Lung), wurden jetzt größtenteils durch zweistufige Modelle abgelöst. Obwohl bei Fotografen und Filmern die Zweischlauchregler aufgrund der Abführung der Luftblasen hinter dem Nacken beliebt blieben, boten die zweistufigen Atemregler viele Vorteile.
Einer der größten Vorteile besteht darin, dass die Anpassung an den Umgebungsdruck in der zweiten Stufe beim Mundstück und nicht bei der Flasche erfolgt. Dadurch besteht in jeder Lage der gleiche Atemwiderstand. Der Scubapro Mark V war der erste kompensierte, zweistufige Atemregler, bei dem der Atemwiderstand auch bei sinkendem Flaschendruck gleich blieb. Außerdem konnte man Inflator und Finimeter an der ersten Stufe anschließen, was zu dieser Zeit eine Innovation war.

Dekometer

Dekometer

Da zur damaligen Zeit Computer noch deutlich zu gewaltige Ausmaße hatten, verwendeten Taucher*innen andere Hilfsmittel, sogenannte "Dekometer":
Ein mit Stickstoff gefüllter Beutel ist über einen porösen Keramikfilter mit einem Manometer verbunden. Unter Druck strömt das Gas durch den Filter, um die Sättigung des Gewebes zu simulieren. Je länger oder tiefer man sich unter Wasser aufhält, desto mehr Gas strömt durch, was zu einem langsamen Anstieg des Drucks im Manometer führt. Sobald der Zeiger den roten Bereich erreicht, sind beim Auftauchen die angezeigten Dekostopps erforderlich. Beim Auftauchen strömt das Gas langsam aus dem Manometer zurück in den Beutel.
Man verweilt so lange auf der angegebenen Dekostufe, bis der Zeiger auf die nächste Stufe wechselt. An der Oberfläche wird dann die Zeit für die Entsättigung angezeigt. Nach etwa sechs Stunden ist der Zeiger wieder im blauen Bereich, was darauf hinweist, dass die Entsättigung abgeschlossen ist.
Der Dekometer war umstritten und erhielt oft den Spitznamen "Bend-o-Meter", da die Dekompressionszeiten bei tiefen und wiederholten Tauchgängen teilweise erheblich von den Tabellen abwichen. Trotzdem funktionierte der Dekometer zuverlässig und ermöglichte erstmals Mehrstufen-Tauchen.
Flossen -

Flossen - "Jet Fin"

Beim Blättern durch die alten Fotoalben könnten sie ins Auge springen: die "Jet Fins"! Diese schweren, unverwüstlichen Vollgummiflossen waren schon damals die Stars der Taucherwelt. Von Beuchat patentiert und seit 1965 praktisch unverändert - das ist länger, als so mancher Popstar auf der Bühne steht.
Seit den 70ern haben zahlreiche Modelle versucht, sich ebenso zu etablieren. Futuristisches Aussehen, Transparenz, gespaltene Flossenblätter, Gelenke, Powerrippen, Knicke, Strömungskanäle - die Liste der "Innovationen" ist lang und bunt. Doch trotz aller Bemühungen konnten sie den Klassiker einfach nicht verdrängen.

Die "Jet Fin" von damals hat sich einen Platz in den Herzen und an den Füßen von (technischen) Taucher*innen weltweit gesichert. Scubapro hat das Erbe übernommen und sorgt dafür, dass diese Flossen weiterhin unsere Unterwasserabenteuer begleiten.

Fotos: seveke.de, Beuchat International SAS, Jetfins reglables (CC BY-SA 3.0), poseidon-archiv.de