Hafen Clean Up in Schilksee - nach der Sturmflut

Wndfinder Windgrafik zunehmender Sturm
Do baute sich der Sturm auf
Quelle: windfinder.com

Am 20. und 21. Oktober 2023 erlitt die schleswig-holsteinische Ostseeküste die stärkste Sturmflut in den letzten 100 Jahren. In der Außenförde, am Kieler Leuchtturm, wurden zeitweise um die 70 Knoten Windstärke gemessen. Der Pegel stieg stetig, bis der Höhepunkt der Flut um Mitternacht erreicht wurde. Diese Sturmflut richtete in vielen Teilen  katastrophale Schäden an, die weit in die Millionen gehen.
Dabei wurden Deiche zerstört, wie in Arnis, viele Hafenstädte überfluteten, sodass viele Häuser und Promenaden zerstört wurden. Besonders schwer traf es die Häfen, in denen unzählige Boote sanken und die vorhandenen Stege brachen. So auch in Kiel-Schilksee, der Nachbarort zu unserem Vereinsheim. 
Im dortigen Olympiahafen wurden verheerende Schäden angerichtet. Mehr als 45 Boote sind gesunken und einige dieser Boote erlitten irreparable Schäden. Die Steganlagen traf es besonders hart, sodass diese teilweise unzugänglich wurden, da sie einstürzten oder die vorhandenen Poller umknickten.

BootswrackDirekt nach dem Sturm versuchte die Feuerwehr einen Austritt von Öl und Kraftstoff zu verhindern. Unmittelbar danach begann die Bergung der gesunkenen Boote, beispielsweise durch Versicherungsunternehmen. 
Mittlerweile sind die meisten Boote geborgen, es befinden sich allerdings noch unmengen zerstörter Teile oder der Inhalt der gesunkenen Wracks unter der Wasseroberfläche. 

Um auch diese Gegenstände zu bergen, organisierte die Forschungstauchervereinigung SDA - Scientific Diving Association, in Kooperation mit dem Segelzentrum der CAU,  One Earth One Ocean sowie unterstützt von TRIXIE Heimtierbedarf, ein “HAFEN CLEAN UP”.
Hubert Pinto de Kraus, von der SDA, rief über verschiedene Kanäle im Internet oder über Tauchvereinsgruppen, zu der Aktion auf.
Alle Funde sollen dabei katalogisiert werden, um den Besitzern im Segelzentrum die Möglichkeit zu geben, diese zurückzubekommen. 

Die Aktion fand am 04.11 und 05.11. zwischen 10 und 16 Uhr statt. Im Vorfeld zu der Aktion wurde ein genauer Ablaufplan und eine Tauchplatzkarte digital ausgehändigt. Es gab sogar die Möglichkeit vorher und nachher die Tauchflaschen in der CAU in Kiel zu füllen.

Pünktlich um 10 Uhr trafen sich alle Helfer:innen im Segelzentrum der CAU zum Briefing.
An Freiwilligen mangelte es nicht, denn über 40 Taucher:innen und ein 20-köpfiges Helferteam waren Vorort. Darunter gab es Tauchteams vom Katastrophenschutz, DLRG, der Uni Kiel und viele Freiwillige aus den Vereinen, auch wir vom TSG Submarin waren dabei. 

Hubert Pinto de Kraus begann die Aktion mit einleitenden Worten zum Tagesablauf. Die meisten Tauchteams sollten im Südhafen eingesetzt werden, in dem bereits alle Boote geborgen worden waren. Der ASB sollte mit eigenem Boot und seinem eigenen Team im Nordhafen unterwegs sein.

Philipp Mühlenhardt, der Geschäftsführer der Sporthafen Kiel GmbH, appellierte an die Anwesenden Taucher,  besonders auf Teile zu achten, die zum eigentlichen Hafen gehörten. Die Lieferzeiten für die Materialien, um die Stege zu reparieren, hätten utopische Spannen. Deswegen solle, wenn möglich, alle brauchbaren Teile wieder verwertet werden, auch im Sinne der Nachhaltigkeit
Dabei erfuhren wir auch, dass die Container für den Müll kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden und die Entsorgung von den Unternehmen kostenfrei übernommen werden sollte!

Die Taucher:innen konnten, nach der Ansprache, mit dem Anrödeln beginnen und sollten sich dann an Steg 3 zu einem Foto und dem Beginn der Aktion treffen. In der Zwischenzeit wurde das Landteam gebrieft und eingeteilt.

Insgesamt waren 4 Boote im Einsatz, um größere Gegenstände entgegenzunehmen.  Die SDA stattete alle Taucher mit Hebesäcken, Bojen, Reels und Taschen aus. Dann wurden nacheinander die Buddyteams auf die Stege verteilt. 
Unsere Buddyteams waren an verschiedenen Stegen im Einsatz und auf einem der Boote tätig.
An Steg 5 musste zunächst geklärt werden, ob die Landhelfer:innen gefahrlos den Steg betreten können, aber dann ging es schon los. 
Wir waren kaum im Wasser, da sichteten wir schon ein Teil eines Außenbordmotors, den wir zügig bergen konnten. 
Gleich im Anschluss fanden wir viele Teile eines Boots, sodass wir kaum den Kopf unter die Oberfläche stecken konnten und wieder rauf mussten, um unsere Sammelsäcke zu tauschen.

Dabei stellten wir fest, dass das feinkörnige Sediment beim Bergen überall gewaltige grauschwarze Nebel erzeugte, sodass die Sicht binnen Sekunden so gering war, dass man seine eigene Hand nicht mehr sehen konnte. 
Doch davon haben wir uns absolut nicht aufhalten lassen, also haben wir uns etwas von der Sedimentwolke entfernt. Um die Trümmerteile sehen zu können, tarierten wir uns optimal aus, sichteten die Umgebung und versuchten dann nicht zu viel Sediment beim Bergen aufzuwirbeln. 
Das Einsammeln von Plastikplanen, die teilweise eingegraben waren, wurde dabei zu einer besonderen Herausforderung. Doch nicht nur das fanden wir, auch eine Wetterstation, Taue, sehr viele Eimer, Masken, Bierdosen, volle Sektflaschen, Geschirr und mehr. 
Rund um die zerstörten Stege fanden sich unzählige Trümmerteile, die klein zerrieben, überall im Hafenbecken lagen und noch einmal eine ganz andere Herausforderung boten.
Dort wo die Boote zur Sturmflut gesunken waren, konnten wir große Krater im Boden erkennen, drum herum breiteten sich immer wieder große Trümmerfelder mit allerhand Gegenständen, aber auch undefinierbare Teile aus. 
Es gab nicht nur kleinere Gegenstände, an einem der Stege wurden riesige Gitter mit Hebesäcken geborgen und noch am gleichen Tag aus dem Wasser geholt. 

Glücklicherweise ist der Olympiahafen nur etwas über 3m tief, sodass sich unser Luftverbrauch in Grenzen hielt und wir lange im Wasser bleiben konnten. Dabei haben die verschiedenen Teams im Wasser die  Landhelfer:innen sichtlich ins Schwitzen gebracht. Immer wenn wir oben waren, signalisierten wir, dass wir Gegenstände in der Hand hatten oder unsere Sammelsäcke voll waren, musste jemand vom Landteam schnell den Steg entlang sprinten, um uns die vielen Funde abzunehmen. 

Als wir dann später aus dem Wasser kamen, konnte man das Ausmaß der Müllmassen erst richtig wahrnehmen. Die Helfer:innen hatten die Teile in der Zwischenzeit im Hafen sortiert und ausgelegt. Da war von Batterien über Reifen und unterschiedlichsten Bootsteilen wirklich alles dabei. Staunend und schockiert betrachteten wir die schiere Masse der Funde.
Wir machten uns dann aber auf, um das Equipment an den Autos loszuwerden, was nur ein kleiner Fußmarsch war, da wir direkt auf dem Hafengelände parken durften. Im Anschluss konnten wir uns im  Segelzentrum der CAU  bei Kaffee und Tee aufwärmen. Für alle wurde durch die Helfer:innen noch eine leckere Kartoffelsuppe und sogar eine vegetarische Variante ausgeteilt. Außerdem durften wir die Duschen im Segelzentrum nutzen.

Besonders schön war, dass wir zum Abschied, als Dank, ein Sammelnetz für die nächste Aktion oder heimische Tauchgänge bekommen haben. Die Netze kommen bestimmt beim nächsten Clean Up oder am Vereinsheim in Falckenstein zum Einsatz. 

Danke für die tolle Organisation dieser sinnvollen Aktion!

 

© Quelle Bilder: Hubert Pinto de Kraus - SDA | Jan-Ole Rathjen | Janina Meesenburg

Danke an Nina für den tollen Bericht,
sowie an alle Helfer:innen für ihren Einsatz an Land und im Wasser!

Verwandte Artikel